Besuch bei SCHERDEL Wiesauplast: Hochtechnologie, Fachkräftemangel und globale Herausforderungen
Bei meinem Besuch bei SCHERDEL Wiesauplast in Wiesau konnte ich einen beeindruckenden Einblick in ein international agierendes Unternehmen gewinnen, das tief in unserer Region verwurzelt ist. Gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik diskutierten wir über aktuelle Herausforderungen, Chancen und die Zukunft der Industrie in Bayern.
Industrie 4.0 trifft auf globale Herausforderungen
Mit 35 Standorten in 11 Ländern und über 6.800 Mitarbeitenden weltweit ist SCHERDEL ein Vorreiter in der Hochpräzisionstechnik. Das Unternehmen produziert hochwertige Federn, Stanz- und Biegeteile und beliefert zahlreiche namhafte Hersteller. Besonders spannend: 80 % aller PKWs und Nutzfahrzeuge weltweit enthalten Bauteile von SCHERDEL.
Doch die Branche steht vor großen Herausforderungen:
✅ Fachkräftemangel – Über 50 % der Produktionsmitarbeitenden stammen aus dem Ausland, insbesondere aus Tschechien und der Ukraine. Ohne diese Fachkräfte wäre die Produktion nicht aufrechtzuerhalten.
✅ Verändertes Kundenportfolio – Der Markt ist kurzlebiger geworden. Unternehmen aus China setzen verstärkt auf günstige Plastikfabrikate. SCHERDEL begegnet dieser Konkurrenz mit einer klaren Fokussierung auf Qualität und hochwertige Presstechnologien – allerdings sind die Kosten enorm: Eine Presse kostet bis zu 350.000 €, während die hergestellten Teile oft nur für 9 € verkauft werden.
✅ Neue Märkte – Neben der Automobilindustrie erschließt SCHERDEL zunehmend neue Geschäftsfelder – u. a. mit John Deere (Landmaschinen) und BORA (Kochfelder).
✅ Energiepreise – Die hohen Strompreise in Deutschland stellen eine massive Belastung dar. Hier braucht es dringend Lösungen, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie zu sichern.
Austausch mit Unternehmern
Beim anschließenden Netzwerktreffen mit lokalen Unternehmen wurde deutlich, dass sich viele Betriebe ähnliche Fragen stellen:
Wie sichern wir die Zukunft unserer Produktion?
Wie bleibt Bayern ein attraktiver Standort für Industrie und Fachkräfte?
Welche Weichen muss die Politik stellen, um Unternehmen gezielt zu entlasten?
Klar ist: Unsere bayerischen Unternehmen brauchen planbare Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und eine verlässliche Energiepolitik. Nur so können sie weiterhin erfolgreich im internationalen Wettbewerb bestehen.
Vielen Dank an die Geschäftsführung und alle Beteiligten für den offenen Austausch! Bayerische Industrie ist stark – und muss es auch bleiben.